
Völlig entspannt sitze ich morgens um kurz nach 6 mit einem leckeren Kaffee mit viel Milchschaum am Küchentisch und genieße die Ruhe vor dem Sturm. Schalte mein Tablet ein und checke schnell meine Mails.
Ah – eine neue Dienstmail vom Kollegen Schotter * (*Namen und Daten sind geändert). Betreff: News zu Marie Heufelder, Klasse 9e*.
Ich stutze…hmmm…
Ich erfahre in der Mail, dass die betreffende Schülerin wohl noch bis zum Ende des Schuljahres wegen psychischer Probleme in der Sonnenschein-Klinik in Elmsbüttel* in Behandlung bleiben wird, ihre Psychose* sich aber schon „verbessert“ hätte, die begleitenden Essstörungen* samt Gewichtsproblem behandelt würden und sie aber schon wieder 80kg* wöge und somit auf dem Wege der Besserung wäre. Die Mutter habe diese Infos an Kollegen Schotter gemailt, der sie nun an die betroffenen Kollegen weiterleite.
Mein Blutdruck steigt.
Mehr personenbezogene, definitiv intime, private Daten (die ich allesamt geändert habe) hätte man nicht in eine Mail packen können! Unverschlüsselt. Einfach so.
Ich zitiere mal eine Passage aus einer meiner Lieblings-Internetseiten, digitalcourage.de, zum Thema:
„E-Mail ist ein weit verbreitetes Kommunikationswerkzeug, und die meisten Leute gehen davon aus, dass es abhörsicher ist, also niemand mitlesen kann. Doch vom Sicherheitsstandpunkt aus muss man davon ausgehen, dass E-Mails wie Postkarten sind: Alles, was man in eine E-Mail schreibt, kann vom E-Mail-Provider (z.B. Google, wenn man GMail nutzt) gelesen werden – von dem des Senders und dem des Empfängers. Wenn diese E-Mail-Provider (oder einer ihrer Systemadministratoren oder Rechtsanwälte) E-Mails lesen wollen, oder wenn sie gehackt, bestochen oder polizeilich gezwungen werden, Zugriff zu gewähren, sind die Inhalte von E-Mails leicht zugänglich.“
Digitalcourage.de
Will ich, dass derartige, private Daten von mir auf einem google-Server oder sonstwo landen? Was google mit den Daten macht, weiß niemand so genau. Möglicherweise ist das vermutlich ohnehin schon gut gefüllte Google-Profil Maria Heufelders nun noch um all diese Daten erweitert worden. Wahrscheinlich. Und das, weil ihre Mutter in gutem Glauben mal eben den Klassenlehrer informieren wollte.
Alles nicht so wild?
Nun ja, für den Moment wohl nicht. Dennoch vertraue ich einem Unternehmen wie google nicht (siehe auch meinen google-Artikel) und möchte diesem Unternehmen so wenig Daten wie möglich freiwillig überlassen!
Also bitte: Auch wenn es mir mal schlecht geht – bitte leitet das nicht per Mail weiter! Oder kümmert euch vorher um eine sichere Verschlüsselung – auch das ist kein Hexenwerk!
Auch hier gilt also mal wieder:
Erst gründlich nachdenken!
Weitere Infos zum Thema gibt es zum Beispiel auf diesen Seiten:
https://www.golem.de/news/e-mail-provider-luecken-in-der-verschluesselungskette-1307-100429.html
https://digitalcourage.de/2018/05/21/e-mail-verschluesselung-und-sicherheitsnihilismus